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180 alte Autos aus 350 Bewerbungen, 160 Helfer (davon 90 ehrenamtlich von den Bosch Oldtimer Freunden), perfekte Organisation, blauer Himmel bei 30 Grad im Schatten, keine Klimaanlage und vor der Nase ein fettes Roadbook mit "chinesischen Zeichen", die nur mein Schwiegeronkel und alter Knochen-Escorter Michael lesen könnte. Die Einladung an Motoraver, bei der Bosch Boxberg Klassik mitzufahren, löste so Einiges aus bei dem Italiener unter den Motoravern. Aber lest selbst, wie sich die 9. Boxberg Rallye für einen Neueinsteiger angefühlt hat...
"Au Backe!, dachte ich mir, als klar wurde, dass ich im Rahmen einer Family-Tour ins nordfranzösische Elsaß anscheinend ganz um die Ecke von Karlsruhe sein würde, und das genau am Wochenende der BBK, zumindest am ersten Tag, Samstag, dem 21.06. Eine Orientierungs- und Gleichmäßigkeits-Rallye also. Ich kannte ja nur den Fireball als Hosenrohr befreiter Gasfuss, und jetzt also Schnitzeljagd für Erwachsene mit edlester Altblech-Konkurrenz. Zum Glück kennt sich aber mein Schwiegeronkel Michael mit dieser Art Veranstaltung aus und so meldeten wir beide offiziell auf Alfa Romeo Berlina 2000. Die Karre war ja weitestgehend in Ordnung und so standen nur ein paar kleinere Reparaturen und Pflege-Einheiten im brühend heissen Hof bei Schwiegerelterns im Elsaß an. Ventilspiel lag bei gut 0,3, na ja, 0,4 und etwas mehr wäre besser, aber Hauptsache Spiel, denn Ventilplättchen hatte ich nicht auf Tasche.   Freitag vor der Rallye schön über die Schwarzwaldhochstrasse nach Rottweil im tiefsten Schwabenländle zu Don Michele gekurvt und nach ein paar Bier am Feuer im Garten und vier Stunden Schlaf um 5 Uhr raus aus den Federn. Die beiden großen Motoraver Aufkleber an die hinteren Flanken geklebt und ab nach Karlsruhe, wo wir um 8.00 Uhr pünktlich zur technischen Abnahme auf dem gigantischen Firmengelände der Robert Bosch GmbH vorfuhren. Hatte ja Einiges erwartet, aber nach einem kurzen Lampen-Check wurden wir schon positiv getestet und bekamen drei Hände voll Stuff ins Auto: Regenschirm im rechteckigen Cabrioletten-Format, einige Werbung der Event-Partner, riesen Bosch-Öl-Pappe für Autos mit Frontmotor und Transaxle-Getriebe, die beiden Monster-Startnummern, ein Frontschild mit Kabelbinder, Aufkleber, historische Blechschilder, ein How to warte ich meinen Oldtimer-Buch und natürlich das fette Roadbook mit allerlei Weg weisendem China-Gemüse.    Okay, nach dem abtastenden Stelldichein auf dem Parkplatz mit den anderen Teilnehmern, Beklebung der Karren und einem eher schlichten aber sympathischen Fahrerbriefing im Bosch Headquarter ging es dann im Schneckentempo schön nach Startnummern eingefädelt an den Vorstart. Die Suppe lief uns runter, kein Schatten weit und breit, die SL-Fraktion vor uns schob lieber und schwitzte noch mehr als wir. Egal, die Rampe machte uns mehr Sorgen. Ein 40er Jahre "Führer-Benz" war schon mal abgerutscht bei der Abfahrt, aber alles heil geblieben bei dem Panzer. Andere Tieflader und diverse britische Roadster schraddelten mit dem Auspuff über die etwas zu hohe Kante vor dem Plateau. Man könnte auch links vorbei fahren, aber die Blöße wollten wir uns nicht geben, und so schabten auch wir mit dem ersten Topf über die Kante hörbar nach oben.      Der Fahnenschwenker von Bosch sagte uns "Ich bin die Ampel", meinte sein Fahnenkomando, irritierte aber uns und andere, die direkt nach der Abfahrt vom Podest brav an einer offensichtlich roten Startampel erneut anhielten und darauf warteten, dass diese auf grün umspringt. Denkste, denn da liefen schon lange die 15 Sekunden bis zum 100 m entfernten 2. Messschlauch runter! Shit, schnell Gas gegeben und mit mindestens 1 Sekunde Differenz gleich mal Strafpunkte kassiert.    Laune leicht angeschlagen (Bin ich ich hier auf dem Verkehrsübungsplatz, oder was? Was war das für eine verwirrende Ansage eben?), aber nach erneuten Verfahrungen sicher in der Karlsruher Innenstadt zum ermüdenden Publikums-Corso mit langen Erklärungen zu jedem Fahrzeug eingetroffen. Das Micro vor der Nase, ergänzte ich die Ausführungen zur Berlina, dass diese sogar OHNE Klima ausgeliefert wurde, worauf der nette Hamburger Moderator uns noch mehr zur Geschichte des Wagens erklärte und uns mit "Moin moin" schweisstriefend entliess. "Mors mors" mein Lieber, denn endlich ging es nach einer weiteren Prüfung in der Stadt, wo ich wieder ordentlich Strafpunkte kassierte, auf die Landstrassen und wir konnten endlich durchlüften und Frischluft atmen.   Im Hochschwarzwald durch Bad Herrenalb und Bretten, wo wir in den Fußgängerzonen ca. 1 Meter an den mit Hunderten von Kurgästen voll besetzeten Café-Tischen vorbei defilierten, gerieten wir dann zunehmend auf echte Försterstrassen. Reihenweise setzten die De Loreans, TWRs, Alfas und anderen Tiefflieger auf und der endcoole Facel Vega kochte erstmal ein nettes Kühler-Süppchen am Strassenrand. Dann folgte die Mittagspause in der prallen Sonne in vorgeschriebenen maximal 30 Minuten an einem alt eingessenen Forellenhof direkt am Fluß in schönster Naturkulisse - Daumen gerade nach oben! Im Anschluss nach jeweils 2 mal fetter Bratwurst (nix gegen die Forellen) die 38 km/h Gleichmäßigkeitsprüfung auf ca. 2 km mit etwas zu viel Speed durchfahren. Hier zeigte sich spätestens das Manko meines zu schnell drehenden Tachos samt des Kilometerzählers. Denn außer diesen Angeber-Italo-Bordinstrumenten und einer simplen Stoppuhr hatten wir nix dabei. Die Konkurrenz fuhr da schon besser mit sog. Tripmaster-Uhren und megageeichten KM-Zählern und eben auch mit viel mehr Erfahrung bei dieser Art Rallyes. Zum Glück gab es dann hoch nach Sinsheim noch sehr schöne Landstrassen-Passagen, wo wir das Feld ein wenig von hinten aufrollen konnten. Selbst ein Porsche 914/6 mit Mördersound und namenhaften Tuner-Stickern fuhr uns so omamäßig vor der Nase rum, dass wir ihm unsere Heckansicht nicht ersparen konnten. Nach insgesamt ca. 5 Stunden on the Road(book) kamen wir dann im Technik Museum Sinsheim an und parkten als bekennende Heizer direkt unter der Concorde ein, die neben einer Tupolew eindrucksvoll auf dem Dach montiert wurde.       Den Sonntag mit der bestimmt lässigen Tour durch das Oval des Boxberg Testgeländes haben wir dann nicht mehr mitfahren können, und so hab ich dann den lieben Michael zur Bahn gebracht und bin in 53 Minuten angefüllt mit den vielen Eindrücken der Bosch-Rallye von Sinsheim ins Elsaß zur Family gebrettert. Ach so, Gesamtsieger wurde ein Ehepaar namens Blaha auf Käfer 1303 Cabrio. Wir wurden 18. von 40 Autos am Samstag in der Klasse 1969-72, immerhin, akzeptabel, macht Hoffnung. Ein dickes Dankeschön an Bosch Automotive Tradtion für so viel Orga-Action und das reiche Rahmenprogramm einer für mich noch nicht ganz so flüssigen aber durchaus sehr interessanten Rallye-Teilnahme der etwas anderen Art!  
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