|
Wenn der TÜV-Scherge bei der Abnahme für die historische Zulassung unter eurer abgerockerten Chevelle SS steht und vor Stress angesichts der einfallsreichen Basteleien Nasenbluten kriegt, braucht ihr garnicht nach einem Anmeldeformular für die Pure Stock Drags im Netz zu suchen. Die technischen Kommissare auf dem Mid-Michigan Racingplex in Stanton sind nämlich noch 'ne ganze Ecke härter unterwegs.
Ein absoluter Originalzustand ist die Start- und Teilnahmebedingung. Nach Triebwerksrevisionen sind Kolbenübergrößen lediglich bis 0.07 Inches erlaubt. Nicht, dass noch jemand mit dem Hubraum bescheißt. Einzig zulässige Abweichungen sind kontaklose Zündungen, deren Steuergeräte allerdings unsichtbar verbaut sei müssen und maßvolle Veränderungen an den Auspuffanlagen, wie z.B. X-Pipes usw. Wer darüberhinaus bei der Abnahme was von "zeitgenössisch" faselt, läuft Gefahr, lebenslänglich Streckenverbot zu kassieren.
Wer bei solch einer prüde Jury unweigerlich an Dressurreiten oder Synchronschwimmen denkt, hat zwar nicht ganz unrecht, aber haben die Kisten erstmal diese Hürde genommen und rollen blubbernd an die Startlinie, wähnt der Ottonormalproll sich wieder in seinem Element. Beim Anblick der eher schmalbrüstig bereiften Protagonisten wünscht man sich als einfacher Junge aus dem Ruhrgebiet zwar schon hier und da ein paar Sidepipes an den Schwellern oder Gladiatoren-Airbrushs mit Morgenstern und Doppelaxt auf der C-Säule, aber der Veranstalter hat das Hausrecht.
"Pure stock is the way we like to rock." (der Veranstalter)
Die absolut originalen Musclecars erlauben einen unverfälschten Blick zurück in die späten 60er, frühen 70er und vermitteln einen Eindruck, was für Waffen man sich damals in den USA einfach so beim Händler mitnehmen konnte, während in Deutschland Vati froh war, dass sein 1302 Käfer mit 34 Pferden vermeintlich gut im Strumpf stand. Teilweise beachtliche 11er und 12er Zeiten brannten die Supercars mit wimmernder Polyglass-Bereifung in den Asphalt während die Fahrer ihren restaurierten Wertanlagen nichts schenkten und freudig aufs Gas traten. Immer wieder liest man, dass nach 1970 die Ära der Musclecars zuende ging. Nichtsdestotrotz war mit einer knappen 13er-Zeit ein '71er Javelin der schnellste AMC im Feld. Die kleine heile Welt der anwesenden Mopar Or No Car-Fraktion erlitt einen heftigen Rempler als Julie Pennington, eine Hausfrau aus Indiana, im Finale mit ihrer 69er Corvette einen 70er Hemi Cuda auf die Plätze verwies und mit 11.586 sec. gewann.
Der Sieg des Plastiksportlers mit Bow-Tie dürfte auch hierzulande den ein oder anderen Bodybuilder mit B-Body in eine tiefe Sinnkrise stürzen.
   
Ähnliche Artikel
|
Forex news
by: ForexOnlineTrue () on 23-05-2009 19:20