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Wir schreiben das Jahr 1964 . Der Himmel ist hellgrau. Die Straße färbt sich dunkel. Farblich irgendwo dazwischen parkt am Straßenrand ein Bulli. T1, Pritsche, Doka. Alltag. Heute – 44 Jahre später - strahlt das Grau mit dem Orange eines 7 Jahre jüngeren Bruders im Vorhof des Dorint Hotels in Potsdam um die Wette, doch alltäglich ist hier heute nur das Ambiente.
Im Vorhof der Hotelanlage warten über 140 hochkarätige Vintage, Pre- und Postwar Classics, die auf einer über 2000 Kilometer langen Strecke nun schon seit 6 Tagen quer durch die Republik unterwegs gewesen sind...
75 Jahre nach der ersten Veranstaltung und als 20. Auflage seit 1989 ist die legendäre Oldtimerrallye „2000km durch Deutschland“ , die Deutsche Mille Miglia, ein international renommiertes Event, an dem Autos und Motorräder sowie Teilnehmer aller Nationen mit Fahrzeugen vor Baujahr 1983 zugelassen sind. Die Route führte dieses Jahr von Düsseldorf über den Nürburg - und Hockenheimring , Stuttgart, München, Bayreuth, Zwickau ,Potsdam bis in die Autostadt Hannover. Zur Feier des Tages lud die VW Nutzfahrzeuge Oldtimer Division im Rahmen der letzten Rallyeetappe zu einem Typ 2 T-1 Doppelkabinen-Transporter-Roadtrip quer durch Brandenburg, Sachsen Anhalt und Niedersachsen.
Das T-1 Rallye Termination Team mit der Startnummer 84 startet an diesem Morgen pflichtbewusst getreu dem Motto: Tradition bewahren! Seit 50 Jahren krabbeln Doka Pritschen mit den dünnen Beinchen nun schon durch die Welt. Dass Sie auch Herz haben, stellen wir kurz nach Startschuss an der ersten Ampel neben einer Volvo Amazone fest:
dank kurzem Getriebe und optimiertem Antriebsstrang, setzen wir uns schnell ab und fliegen dem ersten Checkpoint entgegen. Eine Durchfahrtskontrollstelle mit Zeitmessanlage erwartet die Teilnehmer: 12.5 Sekunden werden als Dial In Index vorgegeben. ET Bracket Dragracing auf einer historischen Oldtimer Rallye. Respekt. Nur tausendstel Sekunden daneben fahren wir weiter und hängen uns an die Fersen eines BMW CS 2.5. Kein leichtes Spiel, denn die Pritsche erreicht bei Volllast im Vierten trotz Superplus und Rückenwind nur Fernlichtkontrollampengeschwindigkeit. Zu wenig um einen sauberen Überholvorgang einleiten zu können. Da der Weg vom Roadbook nur schemenhaft gezeichnet ist, folgt man als ahnungsloser Vorausfahrender im Zweifel entweder der Ölspur der als Startnummer 1 vorausfahrenden Heidi Hetzer - oder aber vertraut doch auf die vermeintlich bessere Navigation des Hintermannes. Im rallyetaktischen Klartext heißt das: unklare Abbiegung – am besten abknickenden Autobahnzubringer - abwarten, rechtzeitig vorher Blinker setzen, Spur wechseln und nachdem der Vordermann in aller Verwirrung auf die falsche Spur gefolgt ist, im letzten Moment das Ruder wieder auf die korrekte Fährte herumreißen. Kaum wird jedoch die erfolgeiche Termination des BMW ins Logbuch notiert, wartet auch schon die nächste Hürde auf die Crew des Lastenesels aus Hannover. Ein amtliches Pferdchen, in Gestalt eines ausgewachsenen Mustang mit Segeberger Kennzeichen sticht aus heiterem Himmel links vorbei. Die Startnummer verrät ihn als Gegner, die Öltemperatur von 130°C mahnt uns jedoch, den Ziegelstein vom Gaspedal zu kippen und die Hochgeschwindigkeitsverfolgung vorerst einzustellen.
Nach ein paar weiteren Durchfahrtskontrollen erreichen wir bei Kilometer 170 das Rittergut Seggerde , ein jahrhundertealtes Wasserschloss.
Die Mittagspause gibt uns Zeit, uns für die erneute Abfahrt taktisch klug in der versammelten Kolonne zu platzieren. Elvis, der King höchstselbst alias Jonny Winters empfiehlt uns früh zu starten. Er selbst ist momentan im Opel Diplomat Cabrio unterwegs. Eine Meute von Mercedes Benz Pagoden wird schnell als Karawanenführung ausgemacht und für die letzten 150 Kilometer bis Hannover heißt es nun, Fotos machen, Maschine schonen, dranbleiben.
Unser treuer Bulli sitzt den Sportcabriolets aus Stuttgart dicht im Nacken. Bei diversen Ortsdurchfahrten drängen wir uns hin und wieder sogar in Führung - um dann Außerorts auf der Geraden wieder überholt zu werden. Ein respektabler gehobener Daumen ist uns vom Straßenrand, wie auch aus den gegnerischen Fahrzeugen sicher. Kurz vor Zieleinlauf am Messegelände Hannover fährt uns der Mustang wieder vor die Schnauze und wir lassen uns zu einem finalen Ampelduell überreden. Während es aus den Radkästen des Mustangs weißen Gummi raucht, setzt sich unser Wunder der Traktion mit eleganten Bocksprüngen gen Messehalle in Bewegung. Der Mustang durchquert nur eine Nasenlänge voraus das Hallentor zur Messehalle um dann umjubelt von hunderten Zuschauern die Zieleinfahrt bei Kilometer 2312 zu bestreiten.
Unsere Bilanz: Platz 16 von 143 übrig gebliebenen an diesem Tage. Ein respektabler Wert für den kleinen Laster, lange nicht so respektabel jedoch, wie die Platzierung der Eheleute Cramer auf ihrer 1956er Horex Imperator. Sie trotzten auf über 2000km Wind und Wetter und sind – wie wir finden, verdiente Gesamtsieger der Rallye 2008.
Unser Dank für Top Navigation, amtliches Fotomaterial und Fuhrpark geht an Heiko Wacker, Kai-Uwe Knoth und Nikolas Waldura stellvertretend für VW Nutzfahrzeuge Oldtimer.
Infos und Fakten unter:
www.2000km.com und www.vw-bulli.de
            
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