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Automobile Leidenschaft ist keine Frage des Alters - das wissen wir nicht erst seit Paul Newman. So darf es auch nicht weiter verwundern, wenn sich der Pilot des candyroten 914, der eben noch volle Granate an Dir vorbeigeblasen ist, nicht als oldiebegeisterter Jungspund entpuppt, sondern als junggebliebener Endfünfziger mit reichlich Benzin im Blut - der eigentlich nur das tut, was er immer schon getan hat: kräftig Gas geben. Motoraver drehte die Uhr ein Stück zurück und ging der Sache auf den Grund...
Wir schreiben das Jahr 1973. Die Bundesregierung verkürzt den Grundwehrdienst von 18 auf 15 Monate, am 4. Juni wird der erste Geldautomat patentiert und - viel wichtiger - zu Silvester des Jahres die Kultband AC/DC gegründet. Aber es ist auch das Jahr des Sonntagsfahrverbots, denn zum ersten mal in der Geschichte wird der Rohölpreis drastisch erhöht. Jochen ist zu dieser Zeit mit einem weissen 1500er Käfer unterwegs, der seinen Leistungshunger durch zwei grosse Vergaser zu stillen versucht, die an das eigens dafür auseinander geschweisste Hirschgeweih angeflanscht werden - doch das ist noch nicht genug. Für 8000 DM ersteht er einen Volksporsche mit 1700er Boxer, zeittypisch in Blutorange lackiert. Kaum auf dem Hof, muss der Mittelmotorsportler eine Leistungskur über sich ergehen lassen und bekommt den Schlepphaken des Käfers verpasst. „Irgendwie musste ich ja mein Boot damit ziehen", meint Jochen verschmitzt, „kaum hatte die Werkstatt die Schleppkupplung ans Auto geschweisst, gings auch schon ab nach Yugoslawien!" Die Tour über die Pässe schafft der 914 mühelos, der Bootsanhänger nicht - dessen Radlager geben vorzeitig den Geist auf. „Die Reparatur war kein Problem, dauerte aber ein Weilchen - wir haben dann einfach im Auto geschlafen." Leider hat der 914 keine Liegesitze, was schliesslich auch zum Verkauf des kleinen Targa führt - er wird Ende 1977 durch einen Ford Capri der ersten Generation (mit Liegesitzen) ersetzt. Doch weder der 2,3 Liter grosse V6 noch die optische Verwandlung in den 2600 RS bringen den erhofften Spass. „Fahrwerk, Lenkung, Bremsen - alles so schwergängig und knochig. Ich dachte, ich muss erst mal ein halbes Jahr in Kanada Holz hacken gehen, bevor ich das Auto fahren kann!" Trotz der guten Dienste als Zugfahrzeug muss der Capri seinen Platz in der Garage räumen; in den Folgejahren gehen diverse Dickschiffe aus Stuttgart durch Jochens Hände, darunter ein 280er/8, ein W123er („...damit habe ich in Castrop-Rauxel ne ganze Planke weggemäht - der Motor lief hinterher immer noch...") und ein 500er SEC der W126er Reihe, dem er viele Jahre treu bleibt. Doch jedes Mal, wenn ihm ein VW-Porsche begegnet, hält er inne - die Erinnerung an seinen eigenen 914 ist lebendig wie eh und je.
Ein amerikanischer Spielfilm ist es schliesslich, der die Initialzündung auslöst. „Dort war ein VW-Porsche zu sehen, und auf einmal wusste ich: Du musst auch wieder so einen haben! Vierzehn Tage später war das Auto gekauft." Ein kleines Kunststück, das Jochen da vollbrachte; viele 914er hatten unter Rost und der Schraubwütigkeit ihrer Besitzer zu leiden und überlebten die 70er erst gar nicht, die ohnehin nicht grosse Stückzahl von knapp 116.000 Fahrzeugen machte die Suche auch nicht einfacher. Dennoch fand er ein Exemplar, das erst 72.000 Kilometer auf dem Wecker hatte, durch seine Lackierung in Candyrot bestach und mit einem Zwoliter-Vierzylinder versehen war. Seither geniesst Jochen seinen Volksporsche in vollen Zügen - jeden Tag, das ganze Jahr hindurch. Für eine zurückhaltende Fahrweise sieht der weissbärtige Automane keine Veranlassung, trotz der umfangreichen Karosseriearbeiten, die recht bald anstanden und eine aufwändige Neulackierung des candyroten Farbtons nach sich zogen.
„Als ich zum ersten Mal eine Fachwerkstatt aufsuchen musste, schauten mich alle ganz ratlos an und fragten mich, was das denn für ein Auto sei - denen musste ich erst mal erklären, dass der 914 sowas ähnliches wie ein Karmann-Ghia ist, den man auch mit Porsche-Motor bestellen konnte - aber es half nichts, die verstanden nur Golf." Die Reaktion des Werkstattmeisters war dementsprechend : „Tun sie mir das bitte nicht an - ich muss dann alle Reparaturen alleine machen; diese Küken kennen dieses Auto doch alle gar nicht mehr!" Doch Jochen vertraut seinen VW-Porsche („...bitte nicht Porsche - entweder VW-Porsche oder 914...") ohnehin nur dann einer Fachwerkstatt an, wenn es gar nicht anders geht - die meisten Arbeiten erledigt er selbst. Zeit hat der oktansüchtige Pensionär ja genug - wenn er nicht grade irgendwo mit seinem 914 durch das Baseler Umfeld brettert. Jochens Frau trägt das Hobby ihres Mannes übrigens mit Fassung, und das nicht nur, weil sie ihren eigenen Geländewagen bekam - auch wenn dieser jetzt das Ziehen des Bootsanhängers übernehmen muss.
Ob er sich vorstellen könnte, jemals noch mal ein anderes Auto als den 914 zu fahren? „Niemals - warum denn auch? Mein VW-Porsche bietet alles, was ich zum Fahren brauche. Dieses moderne Elektrozeugs von heute taugt doch sowieso zu nichts mehr...nee nee, der 914 bleibt jetzt schön bei mir!"    
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