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Ob originaler Citroen 2CV, grausig frisierter Opel Manta oder gechoppter Mercury, kein Automobil kommt ohne Lenkrad aus. Dabei ist es keineswegs egal, mit welcher Sorte Volant das geliebte Alteisen auf Kurs gehalten wird. Motoraver hat sich in Heft No.22 mal selbst dahinter geklemmt..
•1. Der Eisenharte

Was den Erfinder dieses Lenkrades getrieben hat, ist nicht überliefert. Vielleicht ist der Fetisch zur Kette durch langjähriges Strafgefangenenlager in Santa Fu hängengeblieben. So ganz ohne illegal geht's dann eben doch nicht, also mal eben ein verbotenes Chrom- Kettenlenkrad in die Kustom Bude geschraubt und Abfahrt. Dass so ein Volant nach längeren Fahrten die Hände deformiert und man auf der Autobahnraststätte möglicherweise als Contergan-geschädigt bemitleidet wird, muss den harten Hotrodder nicht interessieren. Wer mit dem Ding unterwegs ist, hat unseren vollen Respekt. Vor allem ohne Servolenkung.
•2. Der Modetrottel

Immer schön in Hochglanzmagazinen herumblättern, was denn gerade so angesagt ist. Der Wettlauf gegen die zu vermeidende Uniformierung ist im Modezirkus ein Kampf gegen die Zeit. Das tolle „Das hat keiner"- Teil trägt nach zwei Wochen sowieso jeder. Und wenn ein italienischer Modehersteller vorplappert, dass „vierfarb-knallbunt" jetzt der letzte Schrei ist, rennen die Fashion Victims in die Shops wie die Lemminge über die Klippe, um das begehrte Teil zu ergattern. Dass solche modischen Fehlgriffe bis in den Innenraum Rüsselsheimer Sportwagen vordringen, muss beunruhigen. Hängt bald der Kleiderschrank voll mit ausrangierten, weil nicht mehr angesagten Designerlenkrädern?
•3. Der Materialfetischist

„Das ist aus dem Vollen gefräst". Diesen tollen Spruch hört man auf jeder Blingbling Tuning Messe, wo sich die Billet Fraktion an ihren gekauften Hotrod Unikaten aufgeilt. Deren durch die CNC Maschine gefrästes Gehirn hält solche Designunfälle aber für obercool. Und als ob Flammen auf dem im Katalog bestellten GFK Hotrod nicht schlimm genug wären, lassen sich diese Vollidioten auch noch ein flammenverziertes Stück Alu auf der Lenksäule installieren. Vielleicht aber besser so, denn die zarten Griffel der Fake- Rodder würden durch jedes echte Lenkrad nur böse Abschürfungen bekommen.
•4. Der Freizeitkapitän

Wenn´s für den angepeilten Plymouth Roadrunner mit Hemi Motor und Sportfahrwerk doch nicht gereicht hat, muss der Amischlitten- Liebhaber eben mit einem abgetakelten 79er Caprice vorlieb nehmen. Die Reifen porös, die Achsen verzogen und das Fahrwerk vermodert, schlingert der selbsternannte Kaleu mit dem Kutter wie besoffen durch die Fahrrinne, was die angepeilte weibliche Zielgruppe natürlich kopfschüttelnd belächelt. Da sich der Eimer fährt wie ein Fischkutter bei Windstärke 8, empfehlen wir wenigstens den Einbau eines 24 Zoll Echtholz- Steuerrades aus dem Bootszubehör. Vielleicht hält der Hobby- Kapitän den Kutter somit einigermaßen auf Kurs, so dass dann wenigstens noch ne abgetakelte Seemannsbraut auf dem sinkenden Schiff anheuern kann.
•5. Die Ökosau

Unter dem Deckmantel des Recyclings werden hier arme Nagetiere von ihrem Pelz befreit, um den geizigen Jetta 2 Fahrer im Winter die kaputte Heizung zu ersetzen. Ist ja auch mollig warm, so ein Vieh. Muss das sein? Wird einem Bettvorleger- Schaf ein Streifen aus dem tadellosen Fell geschnitten, können wir das ja noch verstehen. Gesichtet wurden aber auch schon Überzüge von seltenen Tierarten. Wenn sich also ein Marder in die Zündkabel verbeißt, könnte es sich um eine Racheaktion für einen Artgenossen halten. Ökologisch wertvoll ist dieser Überzug übrigens nur für reisefreudige Milbenkolonien, die in dem verfilzten Fell eine ideale Vollpension finden...
•6. Der Bedenkenträger

Das perfekte Volant für Looser. Die Typen, die schon damals mit Reflektoren in den Fahrradspeichen und Intergralhelm auf der unfrisierten Karstadt Mofa unterwegs waren, leiden auch heute unter ihrer fortgeschrittenen Krankheit. Sie müssen das Neueste, das Sicherste und vor allem das Vernünftigste haben. So ist es auch kein Wunder, das in der Reihen-Endhausgarage neben einer schwulen BMW C1 auch der aktuelle Mittelklassewagen aus Fernost steht. Selbstverständlich mit dem brandneuen MuFu-Lenkrad(Multifunktionslenkrad! Die Red.). Radio, Navi, Tempomat, Schalten. Endlich alles bedienbar, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Wäre auch viel zu gefährlich. Die nächste ärztliche Diagnose: Muskelschwund!
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