Optiktuning. Ein probates Mittel im Ruhrgebiet, um auch der letzten Ranzbimmel mit Rest-TÜV Individualität und Sportivität aufzuzwingen. Während sich im neuen Jahrtausend das Personalisieren des eigenen KFZ auf beleuchtete Wischerdüsen und nicht UV-beständige Außenspiegel im angesagten M3-Look beschränkt, langte man in den Achtzigern im Ruhrgebiet noch richtig in den GFK-Pott. Doch wer Breitbauten nur den Ford Capris und Berti Mantas dieser Zeit zuspricht, der irrt. KüWe Special-Tuning aus dem snobbigen Essen-Kettwig nahm sich vor zwanzig Jahren in der ehemaligen Scheidtschen Tuchfabrik den Vernunfts-Autos aus Hiroshima an...
Fruehe Vertreter der vierten Generation der Corvette hat heute niemand mehr auf dem Schirm. Dabei war die von 1984 bis 1987 gebaute erste Serie der C4 ein technologischer Quantensprung der ansonsten eher konservativ uebersetzten Ingenieure in Detroit. Zwar arbeitete unter der neu eingefuehrten, mechanikerfreundlichen Flip-Front weiterhin der altbekannte 350er Small Block mit unten liegender Nockenwelle (Big Blocks gab es in der C4 nicht mehr), jedoch waren Fahrwerk, Interieur und Design im Gegensatz zum Vorgaenger von einem ganz anderen Stern...
"Nuke their Ass - Take their Gas". Klare Ansage an der Fullstop-Tanke im kalifornischen Hinterland. Keine Ahnung, wieviele arabische Wuestenstaaten dieses Land bereits in die Steinzeit gebombt haette, wuerde heute noch jeder Ami einen Big Block mit Vierfachvergaser fahren, aber wenigstens bemueht man sich in Nord-Kalifornien um Transparenz gegenueber dem Kunden in punkto Warenherkunft. Irgendwo bei Grass Valley, eine Autostunde noerdlich von Sacramento, fluten wir den Tank des Eisenschweins mit 15 Gallonen hochoktanigem Import-Stoff aus dem Irak. 40 Dollar kostet der Spass, fuer die naechsten 170 Meilen wird's wohl reichen...
In Zeiten in denen das Easyjetset-Fieber um sich greift, macht es für wenig Leute Sinn auf diesen Mobilitätsüberfluss zu verzichten. Wer sich aber der Straße verschrieben hat, wird diese ursprünglichere und intensivere Form des Reisens mit deutlich mehr Erinnerungen in Verbindung bringen, als die Lemminge am Billigfliegerterminal. Ein großartiges Beispiel dieser Rückbesinnung auf das langsame und bewusste Reisen zeigt dieser Kurzfilm aus den Staaten. Warum in den Flieger steigen, wenn man die Strecke von Los Angeles nach New York auch im abgerockten Cabrio runterreissen kann. Wir sagen Karre volltanken und Abfahrt!
Das man beim Schlendern über den Parkplatz des Berliner Meilenwerks auf interessante Fahrzeuge stößt ist kein Geheimnis. Das man aber manchmal wirklich zweimal hinschauen muss, kommt in der Regel nicht so oft vor. An einem dieser kühlen Herbstage entdeckte ich diese, an sich völlig normale, alte S-Klasse der W116er Baureihe, nur die Dachreling störte das "normale Erscheinungsbild". Eine Dachreling bei einer S-Tonne? Da stimmt doch was nicht... also Karre abstellen, ranschleichen und dem Wagen etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und siehe da, es handelt sich um einen der äußerst seltenen...
Ok, ok... Ein e28 ist keine Raverkarre, sondern eine Rentnerkarre. Das durfte ich mir nun schon oft genug anhören. Und BMW kann imagemäßig ja ohnehin nicht mit den Coke Bottles und US-Car Placebos von Opel und Ford mithalten, ich weiß. Zu technisch, zu gründlich, zu sicher und vor allem zu bayrisch. -Kein Rock 'n Roll. Nicht viel auf der Habenseite, meint man. - Mal abgesehen davon, dass die Marke in den Siebzigern und Achtzigern bei der Wahl des Fluchtwagens europäischer Eliteverbrecher und der RAF ganz vorn auf dem Wunschzettel parkte.
Vier schwarze Spuren auf dem Asphalt und hupende, wildgestikulierende Verkehrsteilnehmer sind meistens die Folge einer freudigen Entdeckung im sonst so öden Straßenbild. Geschehen am gestrigen Nachmittag im Berliner Berufsverkehr. Indikatoren: bisher ungesehenes Material mit Klappscheinwerfer, klassischer Coupéform und irgendwie doch eigenartigem Design. Die Heckpartie bestätigt die Vermutung. Ein Saab Sonett in 1:1...
1972 - was für ein Jahr. Es gibt die erste deutsche Playboy-Ausgabe, und in Lagerlechfeld bei Augsburg eröffnet die erste Selbstbedienungstankstelle Europas. Die perfekte Gelegenheit also, um mit seinem Schlitten eine Runde zu drehen.
Zu dumm, dass die Designer bei Opel wohl nichts von Playboy und Selbertanken hielten - sonst hätten sie einer ihrer schönsten Studien, dem Opel Styling Manta B, einen Motor verpasst und wären losgedüst.
St. Petersburg auf der anderen Seite der Tampa Bay soll den schönsten Strand der USA haben. Uns egal. Nachdem wir die Grantham Stardust-Fragmente ausgeladen und bei Cappy's Pizza gegessen haben (Cappy musste uns unbedingt noch seinen Chevy Corvair im Hinterzimmer der Küche zeigen...), verabschieden wir uns artig von Geoffrey und biegen mit dem Jeep Compass auf die Interstate 4 in Richtung Osten ein. Kurs Daytona, die Wiege des amerikanischen Motorsports. Ein paar Stunden später verfahren wir uns auf einem Autobahnkreuz bei Orlando und sind gezwungen einen anderen Highway zu nutzen. Keine Abfahrt, keine Wendemöglichkeit. Ewig fahren wir in die falsche Richtung. Eine Transitautobahn mitten im Land der großen Freiheit. Fehlen nur noch mannshohe Leitplanken aus Stacheldraht und Wachposten am Fahrbahnrand. Irgendwann taucht wirklich am Horizont ein Grenzübergang mit Schranken und Wachtürmen auf. Walt Disney World. Gleich muss ich kotzen. Der Highway ohne Wiederkehr führt uns geradewegs ins bunte Land der gezwungenen Unterhaltung...
Es ist Samstagmorgen und ein schwarzer Mercedes 500 SEC biegt in meine Straße ein. Drin sitzen drei Jungs, die sich ein Leben ohne ihre Autos nicht mehr vorstellen können und obwohl alle noch etwas verschlafen dreinschauen, beschäftigt sich die illustre Runde sogleich mit den aktuellen Ständen der diversen Projekte. Markenbindung ist dabei absolut nebensächlich (Gruß an Graf Vlad). Die Stimmung schwankt zwischen Vorfreude und einer gesunden Skeptik, wobei es dem Hauptakteur dieses Aktes schwer fällt seine Nerven im Zaum zu halten, denn schließlich geht es um einen der bewegendsten Augenblicke eines Autoverrückten, nämlich den Gebrauchtwagenkauf. Ohne auch nur einen Gedanken an die Abwrackprämie zu verschwenden, wird Kilometer um Kilometer abgespult und irgendwann befinden wir uns in einem idyllischen kleinen Dörfchen in der Nähe von Hannover, in dem die Uhren etwas langsamer zu ticken scheinen. Kein Wunder, dass gerade hier ein paar Jungs am Rad drehen und sich mit großen V8 Maschinen dem Kampf gegen eben genau diese Uhren auf der Viertelmeile verschrieben haben...