|
Es ist ein Wunder, dass die Brigitte bisher nicht auf die Idee gekommen ist, in ihren Psycho-Tests die Bereifung abzufragen. Eins aber ist klar: was man Untenrum trägt, verrät dem eingeweihten Betrachter oft mehr als ein 10-seitiges psychologisches Gutachten.
Die ganze Wahrheit erfahrt ihr hier oder im Motoraver Magazine No.18 .
DIE WOLFRACE FELGE
Während die Upper-Class in England schon zu automobiler Urzeit 8 Zylinder unter der Haube hatte, fuhr die Working Class Bus oder das, was ihr die Industrie kostengünstig vorsetzte: schmale Hubraumkost. Es blieb also nichts anderes übrig, als zumindest optisch aufzurüsten. Und da der Fußfetischismus in England erfunden wurde, fingen die Tuner nicht beim Motor, sondern bei den Socken an. Was man allerdings aus einer alten Salatschüssel der Queen fräste, begeisterte dann Anfang der 70er Jahre plötzlich das ganze Europa. Von Göteborg bis Köln wurde eine Sorte Wolfrace-Felgen das optische Merkmal benzingeschädigter Gaspedaltreter. Das schnelle Modell „Slot Mag“ wurde auf jedes Seventy-Vehikel geschraubt, das zum Vortrieb nicht auf Ketten unterwegs war. Wer heute umrüsten will, wird schnell merken, dass die Sache einen Haken hat: Felgen gibt es reichlich, aber Radbolzen sind Mangelware.
DAS GEMEINE NOTRAD
Man stelle sich vor, man kutschiert mit Muttis teurem Auto zur Zulassungsstelle, um das eigene Gefährt endlich wieder auf die Straße zu bringen. Plötzlich fährt man sich bei einer kleinen Ampelsause wegen zuviel Elektronik-Schnickschnack eine satte Delle in das linke Vorderrad. Macht nix, gibt ja Ersatz! Man öffnet den Kofferraum und sucht das gute alte Reserverad. Ohne Erfolg. Verzweifelt wühlt man unter der mit feinstem Hochflor bezogenen Reserveradmuldenabdeckung, fördert einen in der Raumfahrt erprobten Radmutternlöser und einen 3,77 Tonnen stemmenden Miniatur-Wagenheber zu Tage, auf den der Auto-Konzern sieben Patente hält, aber kein Reserverad. Erst mit Hilfe von Muttis Ersatzbrille findet man etwas, dass aussieht wie eine Schluckimpfung aus dem Ostblock zu Zeiten Ceaucescus. Wer will das?
DIE RAPPER FELGE
Gewisse Menschen, die aus natürlichen Gründen nie im Leben auf die Idee kommen würden, ein Solarium zu besuchen, können mit ihrer automobilen Omnipräsenz einen positiven Reiz auf der Netzhaut der Betrachter auslösen. Bei Weißbroten und Hirnis à la DJ Tomekk wirkt das trotz unverkennbarer Abstammung aus einem miesen Wohnghetto beschämend. Während Puff Daddy und seine Kollegen lässig ihre 1 Quadratmeter großen Knast-Tattoos auf 21zölligen, mit Brillis besetzten BlingBlings in sinnlos überfrachteten Pimp-My-Ride Kisten durch die Gegend kapriolen und es schaffen, dabei nicht peinlich zu wirken, sieht der klarglasbeblinkerte Golf III mit arschgeweihter Heckscheibe auf seinen 19 Zoll Chrompuschen aus wie Günther Strack auf High Heels. Deshalb sollte der TÜV für die Benutzung solcher Felgen mal glasharte Regeln jenseits des Tragfähigkeitsindex erlassen: Wer es sich schlicht nicht leisten kann, zum Auswuchten seiner Chromsandalen mindestens 10karätige Brillis zu benutzen, muss die Chrompuschen noch vor der Heimreise nach Süd-Berlin gegen die alten Obi-Felgen tauschen. Yo, motherfucker.
DIE BÄRCHEN RADKAPPE
Solange die Bärchen-Felge an Fahrzeugen montiert ist, deren Besitzer noch rund 15 Jahre auf den Erwerb der Fahrerlaubnis warten müssen, scheint Kritik zunächst unangebracht. Bei näherer Betrachtung allerdings sollten sich Erziehungsberechtigte reiflich überlegen, was gut gemeinte Geschenke für fatale Folgen haben können. Wenn in früher mobiler Prägungsphase nicht auf stilsichere Anbauteile (z.B. Halter für Getränkedosen) geachtet wird, paaren sich in späteren Jahren vielleicht Bärchen-Radkappen mit Schattenkatzen und Diddlmäusen! Eine genetisch äußerst fatale Kombination! Man muss nicht Mendel heißen, um derartige Arschgeburten als Irrweg automobiler Zubehörevolution zu erkennen. Fahrzeugbesitzer, die diese Erbkrankheiten trotzdem montieren, leiden zum Glück immer an chronischem Stilmangel, und so bleibt einem der Anblick ihrer verunstalteten Twingos weitestgehend erspart, wenn man auf den Besuch von Großraumdiskotheken und Nagelstudios verzichtet.
DIE HOT-RODDER FELGE
Irgendwann in den primer-grauen Vorzeiten des heutigen automobilen Kustomizings war die Welt noch in Ordnung, auch ohne D&W . Wer damals seine Seriengurke untenrum ein bisschen aufmotzen wollte, konnte nicht einfach zum Katalog greifen und sich zwecks vermeintlicher Individualität einen Satz dreiteilige Goldsöckchen Marke Alustar ordern – die eigene Kreativität war gefragt. Für die Besohlung ihrer gechoppten Vehikel blieb aber oft mangels alternativer Lösungen nichts anderes übrig, als die Serienfelge optisch ins rechte Licht zu rücken. Um der aus Kostengründen meist nur grau oder schwarz geprimerten Karosse ein bisschen Farbe zu geben, kam jemand auf die Idee, seine Stahlfelge in ein blutiges Rot zu tauchen. Ein folgenreicher Einfall, denn seit diesem Tag sehen Kustom-Car-Felgen mit Weißwandreifen aus wie geklonte japanische Nationalflaggen. Und das ist immer noch besser als geklonte japanische Kleinwagen.
Motoraver Magazine No.18 jetzt im Benzinkiosk bestellen!
Ähnliche Artikel
|
Rapperfelgen
by: Motojoe () on 31-07-2008 13:54